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Studienfahrt: Pompeji und Paestum

Am Dienstag, den 28. September, gegen 6 Uhr morgens versammelte sich eine Gruppe von Schülern am Bahnhof Vegesack. Schwer bepackt mit ungefähr 20 kg auf dem Rücken wurden noch schnell die Eltern verabschiedet und die letzten Ratschläge entgegen genommen, bevor es los gehen sollte. Unser Ziel war „bella Italia“, genauer gesagt, ein kleines Städtchen, südlich von Neapel gelegen, mit dem Namen Pompeji. Die nächsten 10 Tage sollten wir von nun an also zeltend und uns selbstversorgend in Italien verbringen. Vielen von uns war in den letzten Tagen vor unserer Abreise ein bisschen mulmig zumute geworden bei dem Gedanken an diese Herausforderung. Schließlich wird unsere heutige Generation nicht umsonst als verwöhnt und verzogen bezeichnet.
Die Anreise gestaltete sich recht problemlos und stressfrei. Wir waren alle hochmotiviert und alles lief nach Plan. So reisten wir mit Bus, Bahn, Flugzeug und stellenweise auch zu Fuß ca. 1500 km quer durch Europa.

In Italien angekommen, wurden wir vom blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein begrüßt. Dieses Wetter sollte unseren gesamten Aufenthalt lang anhalten.
Nach weiteren Bus und Zug Fahrten durch das sonnige Italien, in denen schon die ersten kulturellen Unterschiede entdeckt wurden, kamen wir gegen Ende des Tages glücklich und erschöpft auf dem Zeltplatz in Pompeji an. Dort verbrachten wir die nächsten sechs Nächte in unter Zitronenbäumen aufgebauten Zelten.
Die anschließenden fünf Tage studierten wir dann unsere historischen Umgebung.

Den ersten Tag schauten wir uns die steinernen Überreste der alten Stadt Pompeji an, die 79 n. Chr. von Vulkanasche des Vesuv begraben worden war. Wir gingen durch altertümliche Straßen und sahen uns Wohnhäuser, Tabernen (Kneipen), die Thermen (Badeanstalten), das Amphitheater, eine Gladiatorenschule und unter anderem ein ehemalige Bordell, das Lupanare, an. Zwischendurch kam es zu einem kleinen Zwischenfall bei dem eine unserer Referenten ihren Vortrag frühzeitig beenden musste, da ein italienischer Polizist sie für eine illegale Fremdenführerein gehalten hatte.
Am zweiten Tag stand uns ein Ausflug auf den immer noch aktiven Vesuv bevor und die Besichtigung der Ausgrabungsstätten der damals durch Schlammlawinen verschütteten Stadt Herkulaneum. Die Expansion auf den Vesuv gestaltete sich als unvergesslich, da man einen unbeschreiblichen Ausblick auf die umliegende Gegend hatte. Außerdem hat uns ein Führer auf kaum vorhandenen Wegen, direkt am Abgrund entlang, einmal um den 1.6 km langen Krater geführt. Dies erweckte abenteuerliche Stimmungen innerhalb der Gruppe. In Herkulaneum schlenderten wir wieder durch steinerne Überreste einer alten Stadt, wobei Herkulaneum von der Größe her nicht mit den Ausgrabungsstätten in Pompeji zu vergleichen war. Abends kam es beim gemütlichen Zusammensitzen noch zu einem weiteren „Highlight“ der Studienfahrt. Ein Referent rezitierte in antiker Kluft aus dem Brief des Plinius, wobei die antike Kluft aus einem fliederfarbenen Bettlacken, gesponsert von Herrn Langhammer, und einem Kranz aus Zitronenblättern bestand. Auf jeden aussagekräftigen Satz folgte außerdem ein selbstgedichteter Trinkspruch. So wie z.B.: „Pompeji wird gleich versinken, drum lasst uns noch Einen trinken!“
Am Freitag, den 1. Oktober sollten wir nun die dreckigste Großstadt Italiens, Neapel, kennen lernen. Gleich nach dem verlassen des Bahnhofs und auf dem Weg zum Dom des heiligen San Gennaro, war der Kulturschock nicht mehr zu vermeiden. Die schon vorher zur Kenntnis genommenen kulturellen Unterschiede ließen sich nun nicht mehr ignorieren. Den hupenden, rücksichtslosen Autofahrern nach zu schließen, besitzt Italien keine Straßenverkehrsordnung. Die männlichen Bewohner Neapels verbargen ihre Freude über uns weiblichen Touristen nicht.
Der Dreck, mit dem wir ordnungsliebenden Deutschen konfrontiert wurden, erschien manchen von uns als gar unheimlich. Auch die engen Gassen, durch die wir gingen, waren ein Erlebnis für sich. Ältere Leute saßen Karten spielend in den Gassen, überall waren Verkaufsstände und hoch oben in Schwindel erregender Höhe waren Wäscheleinen gespannt. Ein Bild, das man nur aus Filmen kannte. Neben der Besichtigung des Doms, wurde auch noch das Nationalmuseum für Archäologie besucht.
An unserem letzten Tag in Pompeji besuchten wir die Insel Capri. Dort wurde nach einer einstündigen stetig bergaufgehenden Wanderung die Villa Iovis des Kaisers Tiberius erreicht, die auf dem Monte Tiberio steht. Oben angekommen wurde ein Referat, welches die Einstudierung des Liedes „Die Caprifischer“ beinhaltete, vorgetragen. Anschließend bestand die Möglichkeit baden zugehen, die von vielen genutzt wurde, da alle durch die Hitze und die Wanderung erschöpft und durchgeschwitzt waren.

Nach diesen fünf Tagen stand nun der Umzug nach Paestum an. Eigentlich hatten wir uns alle gerade eingelebt, hatten uns an die Züge gewöhnt, die jede halbe Stunde an unserm Zeltplatz vorbei fuhren, an die streunenden Hunde, die zum Kummer mancher bei uns vorübergehend ein neues Zuhause gefunden hatten, an die Ameisen und andere Krabbeltiere, die seit Nächten unsere Zelte belagerten und vieles mehr. Auch unsere Selbstversorgung stellte sich als problemlos heraus. Während manche sich hautsächlich von Tütensuppen oder Hot Dogs ernährten, gaben sich manche mehr Mühe und es wurden auch schon mal ein Salate gemacht oder Kartoffeln gekocht.
Der gefürchtete Umzug nach Paestum am Sonntag stellte sich dann aber als positiver heraus als befürchtet. Allerdings brachte der Umzug an sich ein paar Probleme mit sich, da wir unser gesamtes Gepäck in einer halbstündigen Wanderung zum Bahnhof transportieren mussten. Während dieser Wanderung vielen einige, auf Grund ihrer körperlichen Schwäche, dem großen Gewicht ihres Gepäcks und den Nachwirkungen des vorherigen Abends weit zurück und ihnen musste von der tapferen Nachhut, die nichtsahnend, was auf sie zukommen würde, die Verantwortung für die Letzen übernommen hatte, helfen lassen.
In Paestum angekommen, stand nochmals eine einstündige Wanderung zum Zeltplatz bevor. Hierbei wurde zur Freude aller jedoch das Gepäck von einem Bus abgeholt und somit marschierten wir alle voller Erwartungen zu unserem neuen Campingplatz. Dieser brachte zu unserem Erstaunen so einige Vorteile mit sich. Er hatte einen eigenen Sandstrand direkt am Meer. Er gehörte uns so gut wie alleine, da Nebensaison war und wir die einzigen Besucher auf dem Campingplatz waren.

Der Sonntagabend gestaltete sich ein wenig anders als die sonstigen. Es wurden z.B. alte Kinderspiele wie Verstecken oder Hase und Jäger gespielt und Scheckenrennen veranstaltet. Diese etwas andere Art der Abendgestaltung war auf das nicht Vorhandensein von Alkohol zurück zu führen.
Am Montag dann hatten wir unseren ersten freien Tag. Dieser wurde auch sofort genutzt um sich von den Strapazen der letzten Tage zu erholen. Angesagt waren Ausschlafen, Sonnen, Schwimmen und Ballspielen. Am Abend saßen wir wieder gemütlich zusammen und man wurde richtig lustig. Außerdem schlossen wir Freundschaft mit einem Algerier, der auf dem Zeltplatz wohnte und zu unsere Freude eine Musikanlage besaß. Er war dann auch so freundlich und überließ uns seine gesamte Terrasse zum Tanzen, wobei er das wohl mehr oder weniger unfreiwillig getan hat, da er weder Deutsch, Englisch, Italienisch oder Französisch sprach und wir somit einfach auf seiner Terrasse angefangen haben zu tanzen.
Am nächsten Tag, Dienstag den 5. Oktober, stand dann noch einmal das volle Programm an. Wir besuchten die Ausgrabungsstätten von Paestum, wobei wir vor allem die Stadtgeschichte und die drei großen Tempel, den Poseidon-, Athene- sowie den Basilikatempel, die in Paestum stehen, kennen gelernt haben. Anschließend besuchten wir das Museo de archeologica Paestum, wobei uns ein Führer, mit dem Namen Nuncio, begleitete und uns interessante Geschichten erzählte.
Zurück auf dem Campingplatz wurde unser Abschlussfest vorbereitet. Es sollte abends gegrillt werden und dafür mussten Salate gemacht werden. Abends saßen wir dann bei entspannter Atmosphäre zusammen und es wurden Reden gehalten und Limoncello getrunken, welches nicht zu empfehlen ist und alle glücklich waren als das Essen eröffnet wurde.
Der nächste Morgen stellte sich als ein wenig chaotisch heraus. Nachdem jeder erst einmal fest feststellen musste wo er eigentlich geschlafen hatte, ging es nach einer kleinen Katzenwäsche erst einmal an das Aufräumen der Überreste des letzten Abends. Zum Glück aller hatten wir das „Kulturprogramm“ in den letzten Tagen hinter uns gebracht und somit zog es alle bald an den Strand, wo die Nachwirkungen des vorherigen Abends verarbeitet wurden und Energie für den nächsten Tag getankt wurde, der uns allen noch einmal unsere letzten Kräfte nehmen sollte.
Gegen Nachmittag gerieten dann alle durch die neu gewonnen Energie in Aufbruchsstimmung. Die Zelte wurden abgebaut und es wurde gepackt, wobei man Sachen wieder fand die man längst für verschollen erklärt hatte. Die letzte Nacht wurde dann unter freiem Himmel verbracht und sollte sich auch als viel zu kurz gestallten.
Gegen 6 Uhr morgens am Donnerstag, den 7. Oktober wurde dann zum Aufbruch aufgerufen. Es sollte heute wieder nach Deutschland, nach Hause gehen. Unsere Rückreise begann mit einem einstündigen Marsch zum Bahnhof, gefolgt von einer Zugfahrt und anschließenden Busfahrt zum Flughafen. Zu Anfang unseres Fluges hatten wir wolkenlosen Himmel und konnten so mit noch einmal einen letzten Blick auf den Vesuv und die umliegende Gegend werfen.So ließen wir die letzten Tage Revue passieren. Dann ging es über die Alpen und in Deutschland, wie nicht anders zu erwarten, flogen wir wieder über dicken Wolken. In Hannover angekommen, machte sich die Müdigkeit langsam bemerkbar, da wir nun schon 13 Stunden auf den Beinen waren. Zu unserem Pech verpassten wir leider noch eine Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Daher verschob sich unser gesamter Rückreiseplan noch ein wenig nach hinten. Auf der Bahnfahrt nach Bremen kam dann Vorfreude auf zu Hause auf. Es wurden die mütterlichen Kochkünste in Erinnerung gerufen und das eigene gemütliche Bett herbeigesehnt. Allerdings musste sich die gesamte Gruppe noch einer letzten großen Aufgabe stellen. Die Umsteigeszeit auf dem Bremer Hauptbahnhof betrug nur eine Minute. Daher liefen wir noch einmal auf Hochtouren auf um den Zug nach Vegesack zu erreichen. Um 21:05 nach 15 Stunden erreichten wir total erschöpft Bremen-Vegesackt.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass diese Studienfahrt unvergesslich bleiben wird und wir eine Menge Spaß hatten, was wir natürlich auch den Lehrkräften, Herrn Langhammer und Frau Schmidt, zu verdanken haben.
Zum Schluss kann ich nur jedem empfehlen sich für Pompeji als Studienfahrt zu entscheiden.