Von unserem Mitarbeiter Alexander Bösch
SCHWANEWEDE. Schulleiter Dettmer Fischer hat es schwarz auf weiß: Die Waldschule ist jetzt auch offiziell eine "sportliche Schule". Wegen der hervorragenden sportlichen Betätigungsmöglichkeiten vom Aquajogging bis zum Mountainbiken ist der KGS von der Landesschulbehörde Lüneburg die begehrte Auszeichnung für hervorragende Leistungen und besonderes Engagement in der Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen verliehen worden, als erst zweite niedersächsische Gesamtschule im Landesbezirk.
Für die 1600 Schüler und hundert Lehrkräfte der Waldschule stand der gestrige Tag ansonsten ganz im Zeichen von "Grün-Weiß". Keine graue Theorie, sondern aktive Fitness und Gesundheit standen beim "100-Prozent-Werder-aktiv-und-fit-Tag" auf dem Stundenplan. Koordiniert von Spartenleiter Martin Baschka, konnten die Schüler zum Beispiel Tenniskurse in der Beckedorfer Anlage belegen, beim Nordic Walking durch den Wifo-Wald marschieren, an Basketball - und Handballturnieren teilnehmen, Einführungen in Yoga und Entspannung absolvieren oder aber Wissenswertes in Sachen zackige "HipHop-Moves" und "Laufen ohne zu schnaufen" erfahren. Wer sich gesund ernähren wollte, biss beherzt in die Fruchtspieße und Möhrenmuffins der Schwaneweder Landfrauen, die diese zusammen mit Oberstufenschülern kredenzt hatten.
Auf dem Fußballfeld warteten die Sechstklässler der Waldschule unterdessen gespannt auf das Eintreffen zweier Jugendtrainer von Werder Bremen, die den Siegern eines Fußballturniers eine kostenlose Trainingseinheit spendierten. Lehrerin Gitta Brede zeigte sich besonders stolz auf ihre sportlichen Schäfchen: "Wir sind zwar früh ausgeschieden, sind aber die einzige Klasse mit Cheerleaderinnen!"
Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer, der im Rahmen des Partnerprojekts "100 Schulen, 100 Vereine" an einer von Schülern moderierten Podiumsdiskussion zum Thema "Gewalt im Stadion" teilnahm, betonte die große Verantwortung und Vorbildfunktion der Bundesligavereine. Was auf dem Fußballfeld bei den großen Vereinen passiere - seien es Fouls, Diskriminierungen oder die typische Rudelbildung um den Schiedsrichter - würden Jugendliche umgehend imitieren. Mit Blick auf das wiederholte Singen volksverhetzender Lieder bei Spielen der unteren Ligen und die rassistischen Anfeindungen gegen Werder-Spieler Patrick Owomoyela durch die NPD empfahl Fischer eine konsequente Kultur des Hinsehens. Das werde auch bei Werder umgesetzt. So hätten Ordner im Weserstadion unlängst den Inhaber einer Dauerkarte verwarnt und ihm mit Stadionverbot gedroht, nachdem dieser nachweislich den Spieler Patrick Owomoyela beleidigt habe.
"Wir haben die große Verpflichtung, gegen die Ewiggestrigen zu kämpfen", mahnte Fischer und lobte Maßnahmen wie das seit 25 Jahren bestehende Werder-Fanprojekt oder eine Veranstaltungsreihe, in der ausländische Spieler wie Diego und Naldo ihr jeweiliges Heimatland vorstellen.
Auch Schulleiter Dettmer Fischer schloss die Möglichkeit nicht aus, dass sich Schüler mit rechtsextremem Gedankengut an der Waldschule befinden könnten. Umso wichtiger sei es, mit auffällig gewordenen Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und nicht zuletzt auf die integrative Wirkung des Sports zu setzen.
Die Auszeichnung für die KGS als "sportliche Schule" hatten Jutta Bienwald und Marianne Assenheimer von der Landesschulbehörde vorgenommen.
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Die Norddeutsche Seite: 6 Datum: 20.05.2008