Eine Veranstaltung mit Unicharakter
Professor Schirmer über die Zukunft der Schneemänner
Die Sommer so heiß, dass Eisenbahnschienen nicht mehr befahrbar sind, die Winter so verregnet, dass der
Schneemann zur aussterbenden Art zählt und Schwanewede ist nur noch mit dem Schiff erreichbar.
Dies sind nur einige der möglichen Folgen der globalen Erwärmung , die der Oberstufe im Rahmen des ersten Klimatages der Waldschule von Prof. Dr. Michael Schirmer erläutert wurden. Der Deichhauptmann und Klimaexperte von der Universität Bremen hielt einen Power-Point-Vortrag über die Folgen und Ursachen des Klimawandels, „der schon voll eingesetzt hat“, laut IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). Diese Vereinigung von Forschern und Wissenschaftlern befasst ich mit den Risiken einer globalen Erwärmung, trägt Untersuchungsergebnisse zusammen und versucht Vermeidungsstrategien in Bezug auf den Klimawandel zu entwickeln.Doch was genau ist Klima eigentlich? Man darf
Klima nicht mit
Wetter verwechseln. Ein fragwürdiger Sommer, wie wir ihn in diesem Jahr hatten, wird unter „Wetter“ eingestuft, aber beobachtet man das Wetter über einen langen Zeitraum (z.B. 30 Jahre), lässt sich ein Mittelwert bestimmen, den man als „Klima“ bezeichnet. Mit diesen Durchschnittswerten werden neu ermittelte Wetterdaten verglichen und so kann man feststellen, wie sich das Wetter verändert.Schirmer erklärte und zählte eine Menge Folgen und Probleme auf, die uns entgegenkommen werden, wenn wir den Klimawandel nicht eindämmen. Zum Beispiel werden die Sommer immer kürzer, heißer und trockener und wenn Regen fällt, dann in solchen Massen, dass es zu Überschwemmungen kommen kann. Außerdem wird es mehr Hagelschlag geben und die Körner werden größer, so dass es ganz schön weh tun kann, wenn man keinen Schirm dabei hat. Nicht nur der Sommer verändert sich, auch der Winter wird anders. Es wird nicht mehr so kalt werden und mehr Regen wird fallen, was im Winter nicht sehr angenehm ist. Hochwasser und aufgeweichte Böden sind nicht ausgeschlossen und außerdem wird auch der Winter nicht mehr so lange anhalten. Dafür verlängert sich die Zeit des Herbstes und des Frühlings, was oft mit „Schmuddelwetter“ verbunden ist.Die immer wärmer werdende Erdatmosphäre hat natürlich auch Auswirkungen auf die Eisgebiete des Planeten. So schmelzen die eisbedeckten Erdteile mit einer rasenden Geschwindigkeit. Grönland zum Beispiel verliert am Rand drei mal mehr an Volumen als oberhalb dazu kommt. Und wer noch die letzten großen Gletscher sehen möchte, der sollte dies in den nächsten 15 Jahren tun, denn danach werden wahrscheinlich nur noch „kleine Eisblöcke“ existieren. Nicht anders ist es an den Polen. Den Pinguinen und Eisären schmilzt praktisch der Boden unter den Füßen weg. Das ist auch Lewis Gordon Pugh aufgefallen. Der britische Extremsportler und ist einen Kilometer durch das Nördliche Eismeer geschwommen (bei minus 1,8 Grad Celsius). Damit stellte er einen Weltrekord auf und machte auf die Klimaerwärmung aufmerksam, denn vor wenigen Jahren war es nicht möglich dort zu schwimmen, da das Eis zu dick war.Das Abschmelzen der Eisgebiete führt auch dazu dass der Meeresspiegel ansteigt. Bis etwa 1960 gab es einen kontinuierlichen Anstieg des Wassers, doch dann stellte man fest, dass er sich seit dem viel schneller erhöht.
„Wenn Grönland vollständig abschmelzen würde, würde sich der Meeresspiegel um 7 Meter erhöhen“, so Schirmer. Das dauert ein paar hundert Jahre, aber für die Erde sind hundert Jahre keine Zeit.Als Deichhauptmann erzählte der Klimaexperte noch über die Wichtigkeit der Deiche in Bremen, denn ohne die würde es ein ständiges Hochwasser geben und die Hansestadt wäre nur in Gummistiefeln begehbar.Abschmelzen der Polkappen, Regen im Winter und Sturmfluten kommen ja nicht von alleine. Die Ursachen sind vor allem auf den Menschen zurückzuführen, nämlich durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2 und Methan. Diese Gase verhindern, dass die Wärme der Sonnenstrahlen nicht aus der Atmosphäre entweichen kann, sondern, vereinfacht gesagt, sich anstaut. CO2 wird vor allem durch den Menschen freigesetzt. Zum Beispiel beim Autofahren und durch die Industrie- u.a. bei dem Verbrennen der sogenannten „fossilen Brennstoffe“ (wie Braun- oder Steinkohle). Methan ist Bestandteil von Erdgas aber auch in der Landwirtschaft und in der (Massen-) Tierhaltung wird viel Methan durch den natürlichen Stoffwechsel der Tiere abgesondert.Wenn man den Ausstoß dieser Gase durch bewusstes Handeln vermindern würde, könnte man die dramatischen Folgen der Erderwärmung eindämmen und hinauszögern. Schirmer hat sehr gut über die bevorstehende Klimaveränderung, über die Ursachen und Folgen, aufgeklärt und anschaulich vorgetragen. Es hatte Unicharakter, da alle gespannt zugehört haben, Notizen gemacht wurden und anschließend noch Fragen geklärt wurden. Jeder, der nicht auf Hitzewellen aus ist und zudem einmal durch die Nordsee schwimmen möchte, um Schwanewede zu erreichen oder auch noch große Gletscher in 20 Jahren besichtigen möchte, muss jetzt was tun, bevor die nächsten Generationen keine Schneemänner mehr kennen und, wie Schirmer sagte, „Palmen hier anpflanzen können“.