Mensch, wo bist du?
„Mensch, wo bist du?“, das war das Motto des 32. evangelischen Kirchentages, der dieses Jahr am Himmelfahrtswochenende (20.5. – 24.5.) in Bremen stattfand.
Den evangelischen Kirchentag gibt es schon seit 60 Jahren, alle zwei Jahre wird er in einer anderen deutschen Großstadt gefeiert. 2011 findet er in Dresden statt. Seit 2003 gibt es zudem einen ökumenischen Kirchentag, welcher 2010 – also in einem Jahr – in München gefeiert wird. (ökumenisch beutete, dass Protestanten und Katholiken den Kirchentag gemeinsam feiern.)
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Auf die Frage des Mottos aus dem ersten Buch Mose, lässt sich ganz klar sagen: „Ich bin in Bremen!“ oder zumindest „Ich war in Bremen!“ 100.000 Menschen drängelten sich friedlich am langen Himmelfahrtswochenende durch die Stadt. Am Mittwoch, dem Abend der Begegnung, waren es sogar 300.000. Trotz dieser Menschenmassen, die von den Straßenbahnen und Zügen manchmal kaum bewältigt werden konnten, verlief der Kirchentag friedlich. Auch bei einem völlig überfüllten Hauptbahnhof schubste keiner – im Gegenteil, die Menschen sangen gemeinsam oder veranstalteten
auf den Stufen der Gleiszugänge sitzend eine La-Ola-Welle von einem Ende zum anderen. Als Durchgang war der Bahnhof an diesem Wochenende wirklich nicht zu benutzen – freundliche Pfadfinder mit Schildern „Überfüllter Hauptbahnhof“ wiesen freundlich auf das Offensichtliche hin: Kein Durchkommen. Auch sonst waren alle sehr freundlich. Beim Abend der Begegnung, der leider ein wenig zu windig für die Kerzen war, waren alle gerne bereit, andere Kerzen an ihrer eigenen wieder zum Leuchten zu bringen und es ergaben sich viele nette Gespräche – wenn auch nicht das geplante, gemeinsame Singen des Liedes „Wo bist du?“ Die einzigen, die sangen, waren die Chöre auf den rund 400 Schiffen und Booten, die die Weser hinauf- und hinabfuhren. Eine schöne, aber auch etwas unheimliche Atmosphäre. Der eintönige Gesang von Leuten, die man in der Dunkelheit nicht sieht, auf Booten, deren Silhouetten man nur noch erahnen kann, dazu die flackernden Kerzen um einen herum – wer nicht dabei war, hat eindeutig etwas verpasst.
Das gilt aber nicht nur für den schön-schauerlichen Mittwochabend, sondern für den
gesamten Kirchentag.
So zum Beispiel auch die Konzerte von Stefanie Heinzmann am Mittwochabend und die Wise Guys, die am Donnerstagabend auf der Bürgerweide auftraten. Aber es gab nicht nur musikalische Höhepunkte, auch viele Politiker und andere Prominente, zum Beispiel Fußballspieler, ließen sich das Großereignis nicht entgehen. Bei einem war man sich dann am Ende jedoch nicht mehr so sicher, was er denn war – Politiker oder Fußballspieler: Bundespräsident Horst Köhler sprach auf der Kinderbühne mehr über Fußball und, wann er das letzte Mal selbst gespielt hat, als über politische Themen.
Jule Lüken, 10g3