Die Oberstufen-Theater-AG führte eine gelungen Bearbeitung von Shakespeares Drama „Romeo und Julia“ auf
Shakespeare liebt Tragik – die Waldschule Humor: Diesen Anschein erweckt zumindest die Neuinterpretation von „Romeo und Julia“. Das Stück, das sie am Dienstag, dem 23. Juni, zum letzten Mal aufführten, machte mehr den Eindruck einer Probe als den eines fertigen Stückes – zurecht, denn darin lag auch ihre Absicht und der Hauptteil des Witzes im Stück, auch wenn Shakespeare ebenfalls mit einer guten Portion Humor zu schreiben wusste.
Dennoch begann das Theater zunächst klassisch – mit der Erklärung der Problematik, die der Autor der Tragödie in einem Prolog zusammengefasst hat. Doch spätestens nach den ersten Sätzen des „Fürsten“ wird klar, dass hier etwas nicht ganz stimmt: Er stottert und weiß seinen Text nicht. Doch nicht nur er hat Probleme und sein Gestotter wird von dem der nervösen „Julia“ noch in den Schatten gestellt – die unglückliche Schauspielerin „Amelie“ hat sich in den Romeo-Schauspieler „Hugo“ verliebt, ist aber zu schüchtern, ihn anzusprechen (außerdem sind sich alle einig, dass „Hugo“ nur sich selbst lieben kann). Der „Regisseur“ des Stückes stürmt schließlich wutentbrannt auf die Bühne, um seinen Schauspielern klar zu machen: „So geht es nicht! Morgen ist Premiere!“ Spätestens jetzt wird klar, dass es sich um die Probe einer Schauspielgruppe handelt – und sie nichts wirklich auf die Reihe kriegen. Dazu kommen noch einige weitere Probleme der „Schauspieler“: „Amelie“ schluckt Drogen, die Nonne ist beleidigt, weil „Pia“, die Regieassistentin, bei der Umbesetzung die Rolle der „Julia“ bekommt und „Tybalt“ ist frustriert, weil er tot und schwul ist und zu allem Überfluss keinen Partner hat, und der Bühnentechniker versucht lange Zeit vergeblich, bei der unglücklichen Amelie/Julia zu landen. So munter und humorvoll geht es weiter zwischen Szenen hinter und auf der „Bühne“ zu, bis schließlich „Romeo und Julia“ in wildem Geschmuse von der Totenbahre stürzen. Passen zu den Szenen wurde das Publikum mit unterschiedlichen Musikeinlagen unterhalten, bis Griselda Fuchsjagd, die Theaterreporterin, in einer Reise um die Welt die weiteren Schicksale der „Mitwirkenden“ erläutert.
Den Zuschauern hat es augenscheinlich so gut gefallen, dass nicht wenige wohl gerne in den Schlusssong „Al you nee is love“ mit eingestimmt hätten.
Man darf jedenfalls schon jetzt gespannt sein, was sich die Theater-AG nächstes Jahr einfallen lässt.
Jule Lüken, 10g3