Ein Musiktheater des Jugendchors „Die Lerchen“ mit einigen „Turmfalken“ aus Rekum zum Thema Tod und Sterben von Kindern
Über ein halbes Jahr war dieser Auftritt geplant: Im Herbst wurde dann schließlich auch klar, dass wir mit dem Musik- und Tanztheater „Siris Reise oder Wo ist der Weg zur Ewigkeit?“ auch beim Kirchentag auftreten werden. Als dies klar wurde, bestand das Theater aber nur aus der Idee – und aus einem einzigen Lied, dem Lied der verwaisten Eltern, das von Karin Grabenhorst, einer Vorsitzenden des Vereins, geschrieben wurde und zu dem wir auch vor gut einem Jahr eine Demo CD erstellt haben. Kurz vor dem Theater wurde dann tatsächlich auch die professionelle CD fertig.
Das Stück wurde ebenfalls von Karin Grabenhorst geschrieben. Es geht um Siri, die kleine Seele, die an einer Krankheit gestorben ist und von ihrer Familie mit auf den Weg bekam „Sei nicht traurig. Wir sehen uns alle wieder, in der Ewigkeit.“ So beschließt sie, zusammen mit dem Wind schon mal zur Ewigkeit zu gehen und dort auf ihre Familie zu warten. Auf ihrer Reise trifft sie immer mehr Seelen, die auf verschiedene Arten ums Leben gekommen sind: Der Ozeanfisch stirbt bei einer Explosion, die von Dynamitfischern ausgelöst wird. Die Wüstenblume vertrocknet, der Feuervogel kann nicht mehr fliegen, will seinen Schwarm nicht in Gefahr bringen und fliegt daher absichtlich gegen einen Felsen. Die Sternschnuppe, die als letztes zu den Freunden stößt, ist bei der Entstehung eines neuen Sonnensystems nicht mit verschmolzen, wäre aber so gerne auch geboren worden. Jede der Seelen hat eine andere Frage und alle hoffen, Antworten zu finden – dazu befragen sie den Ozean (dort trifft Siri den Ozeanfisch), der sie weiter zur Wüste (die Wüstenblume kommt hinzu) schickt sie weiter zum Feuer, auf dem Weg begegnet ihnen der Vogel, beim Feuer schließlich kommt auch die Sternschnuppe hinzu. Siri sucht die Ewigkeit, der Ozeanfisch will Gott finden, die Wüstenblume fragt sich, was der Sinn des Lebens ist – immerhin hat sie nur einmal geblüht – der Feuervogel sucht nach Beweisen, dass nichts verloren geht, und die Sternschnuppe hilft, die Antworten zu finden.
Das Feuer gibt ihnen schließlich den Tipp, den Ginkobaum zu fragen. Der „Große Ginko“, wie er vom Wind genannt wird, ist älter als die Zeit und gilt, seitdem er die Explosion einer Bombe (Tschernobyl) überlebt hat, als Symbol für Leben und Hoffnung auf Frieden in der Welt. Auf dem Weg zum Ginko kommt die Wüstenblume zu der Erkenntnis, dass der Sinn des Lebens das Leben selbst ist und darin besteht, Fragen zu hinterlassen und nach Antworten zu suchen.
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eim Ginko selbst findet Siri heraus, dass die Ewigkeit überall und unendlich ist – und sie nur noch nach hause muss. Der Ozeanfisch trifft eine Gruppe von Reisenden, die ebenfalls auf der Suche nach ihren Göttern sind und reist mit diesen weiter. Der Feuervogel und die Sternschnuppe wollen zusammen weiterreisen und nach Beweisen suchen, das nichts verloren geht, in der Hoffnung, dass es auch der Erde hilft.
Wir haben das Stück zusammen mit Hauke Scholten, dem Chorleiter, Alexander Hauer, dem Choreographen, und auch mit Karin Grabenhorst, der Autorin, entwickelt und am Donnerstagabend (21.05.09) und Freitagvormittag (22.05.09) im Bürgerhaus aufgeführt.
Zwei Lerchen hatten sogar eigene Lieder beigesteuert und sie teilweise selbst gesungen: Katharina Wagner schrieb die Lieder „Warum gehst du?“, „Wo sind all die kleinen Seelen?“ und „Sie fällt“ und sang auch jedes Lied hauptsächlich solo. Matthias Kuleßa hatte die Lieder „Let it burn“, „Einen letzten Tag“ und das „Abschiedslied“ verfasst, sang jedoch nur „Let it burn“ alleine, die anderen sang der Chor. „Einen letzten Tag“ wünscht sich der Ozeanfisch – und zwar im Meer, das „Abschiedslied“ wird gesungen, wenn er sich von seinen Freunden verabschiedet, um nach Gott zu suchen.
Auch Hauke Scholten schrieb ein Lied: Das „Regenbogenlied“, welches ganz zum Schluss gesungen wird. Der Regenbogen wurde für Siri und ihre Freunde sowie für alle verwaisten Eltern zu einem Symbol der Verbindung zwischen dem Leben und dem Tod (oder, wie im Stück: „Zwischen der einen Seite der Ewigkeit und der anderen“, wobei sich auf der einen Seite die Gestorbenen und auf der anderen Seite die Lebenden befinden).
Die übrige Musik – die „Musik der Elemente“ – wurde von Paul Bialek, der in unserem kleinen Orchester während den Aufführungen die erste Geige spielte, komponiert. Es handelt sich dabei um wunderschöne Instrumentalkompositionen für jedes Element und um Übergänge zwischen den einzelnen Szenen. Teilweise musste jedoch auch während der Musik gesprochen werden – und eine Übertönung des Orchesters, welches neben Paul Bialek auch noch aus einer weiteren Geige, einer Harfe, einer Bartsche und einer Querflöte bestand, war nicht immer leicht.
Bis auf eine wenige Patzer verliefen die Aufführungen reibungslos – so reibungslos, dass wir am Freitag nach Ende des Stückes noch auf der Bühne in Jubel ausbrachen (einer der wenigen kleinen Patzer).
Mit den Auftritten waren wir sehr zufrieden, die Arbeit an diesem Projekt hat viel Spaß gemacht und wir finden es wichtig, dass dieses Thema, was ja sehr schwierig und in der Gesellschaft immer noch tabu ist, ein wenig aus dem Schatten herauskommt und mehr wahrgenommen wird – es gibt so viele Betroffene, es darf nicht aus Angst totgeschwiegen werden. Wir hoffen, dass es uns durch dieses Theater und auch durch die CD „So weit vor deiner Zeit“ (an der auch viele andere mitgewirkt haben) gelungen ist, darauf aufmerksam zu machen.
... und falls sich jetzt jemand ärgert, dass er all dies verpasst hat: Es sind weitere Aufführungen von „Siris Reise“ hier im Umkreis geplant. (Oder er besucht einfach den nächsten Kirchentag, der in München stattfindet.)
Und wer das nicht abwarten kann oder sich weiter informieren möchte (auch über den Verein der verwaisten Eltern) kann dies gerne auf der Website zu unserem Musiktheater tun:
www.siris-reise.de
Jule Lüken, 10g3