Neue Lernkultur per Notebook

Schwaneweder Gemeindevertreter besuchen Waldschule / Unterricht per Computer

Von Iris Messerschmidt

SCHWANEWEDE. "Der Hund hat meine Hausaufgabenheft gefressen." Mit dieser Ausrede werden die Siebtklässler der Waldschule künftig keine Chance mehr haben. Als neu eingerichtete "Notebookklasse" hat nämlich der Lehrer Zugriff auf die Schülerdateien, kann genau überprüfen, wann und ob am Thema gearbeitet wurde. Die Schüler stört das allerdings überhaupt nicht. "Wir erleben einen unglaublichen Motivationsschub", freut sich Lehrerin Iris Busch.
Seit Mitte November hat sich der Schulalltag für 29 Schüler der Waldschule geändert. Wo vorher viele Papierzettel und Hefte - für jedes Fach eines - auf dem Schreibtisch lagen, steht jetzt ein einziges Arbeitsgerät: das persönliche Notebook. Elternfinanziert per Leasingrate, für sozial schwache Familien auch mit Unterstützung des AfB-Bildungsfonds, voll versichert, zur Anwendung zuhause - aber ganz besonders, zur individuellen Förderung des Lernens.
Wobei dies in den "Notebookklassen" gleich zwei wichtige Varianten hat: zum einen der "normale" Unterricht, von Deutsch über Englisch und Mathe bis hin zu Biologie über das Notebook läuft. Zum anderen den Schülern gleich noch der Umgang mit dem Computer als alltäglliches Hilfsmittel näher gebracht wird. "In 61 Prozent aller Berufe in Deutschland sind Computerkenntnisse gefordert", erklärt Iris Busch.
Große Vorteile also in der Zukunft für Schüler, die mit den diversen Programmen - Tabellenkalkulationen in Mathe, Übersichtstafeln in Geschichte, gute Deutschkenntnisse, da das Rechtschreibprogramm weder Groß- und Kleinschreibung, noch Getrennt- oder Zusammenschreibung richtig erkennt - gelernt haben, wie selbstverständlich umzugehen. Wie der Unterricht in der Praxis abläuft, davon überzeugten sich jetzt Bürgermeister Harald Stehnken, Schulleiter Dettmer Fischer und Hauptamtsleiter Gerhard Luhrmann in der "Notebookklasse".
Das große "Whiteboard", eine Art Tafel, über die sich der jeweilige Lehrer mit seinem Notebook einloggt und das für alle sichtbar das jeweils geöffnete Programm zeigt, hat es Lehrerin Iris Busch angetan. "Ich bin selbst noch in der Probephase, aber geben sie mir noch ein halbes Jahr Zeit, dann beherrsche ich alles perfekt", gibt sie preis, während sie mit einem Stift auf dem "Whiteboard" auf einer über den Computer "aufgeschlagenen Vorlage" ihren Namen einträgt. Denn auch das geht: Arbeiten, von den Schülern in den Computer eingegeben, können angezeigt werden und der jeweilige Lehrer kann - wie früher mit der Tafelkreide - mit einem Stift Korrekturen vornehmen, die wiederum vom Computer gelesen und - auf Wunsch - gespeichert werden.
Englisch steht gerade auf dem Unterrichtsplan und Iris Busch und die Schüler geben dem Besuch einen beeindruckenden Einblick davon, mit wie viel Spaß die 12- bis 14-jährigen Schüler plötzlich Unterricht erleben. Eines macht die Lehrerin dabei ebenfalls deutlich, das nämlich hier auch im Sinne des Datenschutzes gearbeitet wird: "Die Schüler nutzen das Notebook selbstverständlich auch privat. Auf solche 'privaten' Dateien haben wir Lehrer keinen Zugriff. Die Unterrichtsdateien laufen über das schulinterne Intranet." Die private Nutzung hat noch einen weiteren Vorteil: "Beim pfleglichen Umgang mit dem Notebook lernen die Schüler Verantwortung."

© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Osterholzer Kreisblatt Seite: 8
Datum: 18.12.2008