1700 Schüler und 110 Lehrer experimentieren und diskutieren mit Experten die Auswirkungen der Erderwärmung
Von Robert Goldberg
Schwanewede. Draußen stehen das Energiemobil der EWE, ein Erdgas-Auto und unglaublich viele Fahrräder; drinnen herrscht ordentliches Gewusel mit Vorträgen, Foren, Besichtigungen, praktischen Übungen und einer Podiumsdiskussion, organisiert von vier Lehrern und sieben Schülern aus dem Orga-Team: Knapp 1700 Schüler aller drei Schulformen und 110 Pauker beteiligten sich am zweiten Klimatag der Waldschule.
Beispiel Klimawerkstatt mit Beteiligung des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND): Eigentlich ein recht normaler Chemieunterricht in eben diesem Raum mit dem naturwissenschaftlichen Lehrer Jens Schneyers, doch in dieser Doppelstunde steht alleine das Thema Kohlendioxid auf dem Plan. Die Schülerin Larissa demonstriert vor den Mitschülern mit einer Versuchsanordnung, was Wasserstoffperoxid mit Kohlendioxid zu tun hat; anschließend sind die Schüler angehalten selber zu experimentieren. "Wir wollen in dieser Klimawerkstatt zeigen, wie Kohlendioxid entsteht, wie man es nachweisen kann und wie man es verhindern kann", erläutert Lehrer Schneyers, immer wieder bedrängt von Schülern, die Fragen haben.
Kohlendioxid, das beim Verbrennen fossiler Energieträger entsteht, gilt als Hauptverursacher der Klimaerwärmung. In dieser Woche diskutieren Grundlagenforscher in Jena die Auswirkung von Kohlendioxid auf das Klima. Klimaforscher befürchten mit der fortschreitenden Erderwärmung einen sprunghaften Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration in der Luft. Je höher die Temperaturen weltweit steigen, desto schneller gelange das im Boden gebundene Kohlendioxid in die Atmosphäre, so Angelika Thuille vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Dieser Prozess beschleunige wiederum den Klimawandel.
Vieles läuft parallel an diesem Tag. Neben zwei Klimawerkstätten mit praktischen Versuchen wird im Filmpalast der Film "Unsere Erde" gezeigt, referiert die Bremer Umweltberatung anhand eines ökologischen Warenkorbs, wie man umweltbewusst einkaufen kann, wenn man nach dem Motto saisonale und regionale Produkte vorgeht; Stefan Wittig von der Uni Bremen (Bio Consult) macht klar, welche Folgen ein Ansteigen der Erderwärmung für die Nordseeküste haben könnte; Hans Oerter vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven, erläutert wie das Eis der Pole als Archiv und Warnsignal für Forscher dient: Über 800000 Jahre ist aus den Eisschichten das Klima ablesbar; die im Eis eingeschlossene Luft gibt Hinweise auf den Kohlendioxidgehalt.
Der Schüler Julian D. gehört zum siebenköpfigen Organisationsteam und führt den Reporter durch den Klimatag. Für ihn macht der Tag Sinn, wenn auch einige Schulkameraden die Veranstaltung ziemlich nervig finden, wie er weiß: "Ich denke, dass dieser Tag etwas bewegt. Man macht doch eher mal das Licht aus zuhause oder man achtet darauf, dass die Heizung heruntergedreht ist." Auch über die Klimaveränderung habe er viel erfahren, so weiß Julian D. jetzt, dass die Industrie, die Autos und die Haushalte verantwortlich seien.
Auf einer Klimakonferenz simuliert der BUND den Jahr für Jahr zunehmenden Treibhauseffekt mit Holzklötzchen, lässt in einem Rollenspiel Industrienationen wie China, Industriearbeiter aus Deutschland wie auch Bauern aus Äthiopien angesichts der drohenden Katastrophe miteinander verhandeln. Bangladesh schließt mit einer Versicherung einen Vertrag über einen Deichbau, doch der kommt zu spät: Eine Flut vernichtet die Lebensgrundlagen und in China steigen die Emissionen von Treibhausgas. Ein Holzklotz mehr belastet die Erde...
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Die Norddeutsche Seite: 6 Datum: 18.09.2009