1400 begeisterte Zuschauer: Theater AG der Waldschule präsentierte "Eine, die auszog das Fürchten zu lernen"
Von Alexander Bösch Schwanewede. 
Gruselige Tanzchoreografien, bei denen Michael Jackson vergnügt vom Pop-Himmel hinabgeschaut hätte, eine spannende Geschichte von buchstäblich märchenhafter Aktualität und dazu ein phänomenales Einspielergebnis von 2023 Euro für den guten Zweck: Mit den fünf Vorstellungen ihres Stücks "Von einer, die auszog das Fürchten zu lernen" hatte sich die Theater AG der Waldschule wieder einmal selbst übertroffen.
Doch neben den gelungenen Aufführungen der fast 50 Mitwirk
enden inklusive großer Spielfreude und beeindruckenden Kulissen kam auch der karikative Aspekt nicht zu kurz. Schon vor Beginn der abendlichen Premiere, der drei interne Schulaufführungen vorangegangen waren, konnte die Leiterin der AG, Gudrun Chopin, die stolze Summe von 600 Euro für die Unterstützung von Schulen in Afghanistan überreichen. Eine Summe, die allein durch die Altpapiersammlung der Waldschule zusammenkam und am selben Abend um weitere 953 Euro erhöht werden konnte. Ingrid Fraser, die aus Hamburg angereist war, freute sich über die rege Unterstützung der Waldschüler für verschiedene Schulprojekte und Nähzentren in Afghanistan.
Ein orientalisches Büfett war von elf Müttern gezaubert worden. Ob deftige Zigarillos mit Käse, Hackfleischröllchen, Falafel, oder der pizza-artige "Lahmacun": Den Zuschauern schmeckte es offensichtlich und so kam statt des obligatorischen Eintritts die besagte Summe flugs zusammen. Zainab Ghazi, die die Köstlichkeiten mit anderen Frauen verkaufte, Tochter Madeleine, die den "gruseligen Moorleichen" beim Schminken half und deren im Stück mitspielende Tochter Amal repräsentierten das generationenübergreifende Engagement der Mitwirkenden. Auch Schulleiter Dettmer Fischer, der 600 Euro für das Projekt "Run for help" erhielt, zeigte sich angetan und betonte die Wichtigkeit gemeinsamen Spiels und spielerischer Kreativität gerade in Zeiten zunehmenden Leistungsdrucks an den Schulen.
Dabei war das zum "Grusical" umgearbeitete Märchen der Gebrüder Grimm in seiner Vielschichtigkeit durchaus nicht einfach einzustudieren. Es ging um Angst und darum, diese zu überwinden. Eine ungeliebte Tochter wird zu Hause rausgeworfen und begegnet einer glücklosen Theatergruppe. Gemeinsam ziehen sie durch die Lande. Doch die Versuche, der Tochter das Fürchten beizubringen, misslingen. Selbst Figuren wie der "gespenstische Gräberknecht" oder die unheilvolle "Spinnenlenor" können das angstfreie Mädchen nicht aus der Fassung bringen. Erst die Liebe des Sohnes eines neurotischen Burgherrn jagt dem jungen Mädchen erstmals Angst ein. Bis das aber soweit war, umkreiste das Ensemble beim "Spiel im Spiel" mit einem Leierkasten den Zuschauerblock und nahm diese mit auf eine abenteuerliche Reise rund um die Angst, die die Zuschauer auf zwei im Wechsel bespielten Bühnen verfolgen konnte.
Faszinierender Höhepunkt des Stücks, das durch musikalische Darbietungen der Chor AG und die emsigen "Heinzelmännchen" der Bühnenbau AG angereichert wurde, war zweifelsohne eine restlos gelungene Bühnenadaption von Michael Jackson Video zu "Thriller". Gespenstisch tanzende Moorleichen und Riesenspinnen aus Styropor sorgten für waschechten Grusel. Kein Wunder, dass bei einer weiteren Abendvorführung des Märchens nochmal je 535 Euro für die Schwaneweder Tafel und die Stiftung Pro Juventute zusammenkamen.
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Osterholzer Kreisblatt Seite: 8 Datum: 12.05.2010