Klimatag in der Waldschule sorgt für zahlreiche Lerneffekte nicht nur in Sachen Umweltschutz
Schwanewede. Heizung herunter gedreht? Licht aus? Fenster geschlossen? Altpapierkiste in der Klasse vorhanden?
![]() |
|
Mit verschiedenen Versuchsreihen stellten die Schüler aus dem Fachbereich Chemie den sogenannten „Treibhauseffekt“ nach. Gleichzeitig erklärten sie während des Klimatages anderen Schülern, wie die Versuchsreihen wirken und was nachgewiesen wird. |
Was einst in der Waldschule Schwanewede aus einer Arbeitsgruppe heraus entstand, ist mittlerweile in den Schulalltag eingezogen - Energieeffizienz, Umwelt- und Klimaschutz läuft mittlerweile als Energiesparwettbewerb unter allen Klassen. Wie sehr die Schüler sich diesem Thema widmen, das wurde Donnerstag während des dritten Klimatages gezeigt.
Eine Lampe diente als simulierte Sonne, davor zwei mit Korken verschlossene Gläser. In einem CO2, in dem anderen nicht. Thermostate waren es, die Aufschluss gaben. "Damit demonstrieren wir, in welchem Glas mehr Temperatur erzeugt wird und zeigen somit das Problem des Klimawandels auf", erzählte Lennart Rosebrock, der mit seinem Klassenkameraden Hazim Ayo vor dieser Versuchsreihe saß.
Die beiden waren nicht die einzigen Schüler, die im Fachbereich Chemie Experimente zu Klimawandel und CO2 -Emissionen vorbereiteten. Die Entstehung des sogenannten Treibhauseffektes sollte anhand verschiedener Versuche nachgewiesen werden. Ein Projekt im Übrigen, an dem sich Schüler anderer Klassen auch praktisch beteiligen sollten. "Schüler lernen von Schülern", lautete das Motto. Die Schüler, die diese Versuchsreihen in einem Projekt vorbereiteten, begleiteten gleichzeitig andere Schüler während der Experimente und erläuterten die Hintergründe.
Keine Schokolade, sondern Wald
![]() |
|
Doppelter Lerneffekt: In der Bühnenaula der Waldschule referierte Kristina Stemmer vom Alfred-Wegener-Institut über die Ozeanversauerung – allerdings auf englisch. Die Zuhörer waren sehr interessiert und nahmen an der anschließenden Diskussion – ebenfalls auf englisch – teil. |
Derweil hallte in einem anderen Raum der Waldschule gerade ein langgezogenes "Oh" durch die Klasse. Es waren die enttäuschten Laute der "Neuen", der Fünftklässler, auf die eigentlich eine ganz süße Sache warten sollte - das "Schokoladenprojekt". Der Hintergrund sollte vernünftigen Anbau und "Fair Trade", den fairen Handel, beleuchten. Die Schüler sollten lernen, wo und wie Schokolade erzeugt wird und welche Inhaltsstoffe in den - im Lebensmittelladen - vorhandenen Tafeln sind.
Dazu war auch der Einkauf der entsprechenden Süßigkeiten angedacht. Das hätte allerdings einen gewissen "Freilauf" bedeutet. Für die Klassenlehrerin, die ihre "Neuen" noch nicht so gut kannte, ein gewagtes Unternehmen. So veränderte sie kurzerhand das Projekt, die Fünftklässler bekamen statt schokoladiger Ansichten Pflanzen- und Pfadfinderkunde im Wald.
Von "Klimamusik" begleitet (deutsche Texte zum Thema), mit einer kurzen Zwischenstation in der Aula beim "Klimafrühstück" (mit gesponserten Brötchen von "Bäckerland" und Auflage vom aktiv markt) ging es den ganzen Vormittag durchs Schulgelände von Projekt zu Projekt. Da waren nicht nur die Schüler involviert, da waren auch externe Fachleute vor Ort, um innovative Techniken zum Klima- und Umweltschutz zu erläutern. Von Beginn an dabei - der Klimatag wird alle zwei Jahre in der Waldschule organisiert - ist beispielsweise auch das EWE-Mobil mit Informationen zur Solarenergie.
Ob Papierwerkstatt, Energie vom Acker, virtuelles Wasser im Einkaufskorb, das Müsliprojekt oder Biodiesel aus Rapsöl - neben den Hinweisen, wie Umweltschutz ins tägliche Geschehen integriert werden kann, stand in jedem Projekt auch der zusätzliche Lerneffekt auf dem Programm. Das bedeutet beispielsweise für die Schüler der Oberstufen: Sprache lernen einmal anders. Kristina Stemmer vom Alfred-Wegener-Institut referierte über die Ozeanversauerung - auf englisch. Die anschließende Diskussion über dieses Thema war erwünscht - selbstverständlich ebenfalls in englischer Sprache.
Dieses war allerdings auch ein Tribut an den "internationalen Schülertag" der Uni Bremen, für den die Waldschule als Ausrichter fungierte. Rund 300 Plätze waren für die Vorträge in der "Bühnenaula" eingerichtet, zahlreich genutzt von den Zuhörern. Auch der Vortrag von Stefan Wittig über Klimamodelle und Auswirkungen des Klimawandels stieß bei Schülern, Lehrern und Besuchern gleichermaßen auf großes Interesse. "Allerdings sind heute nicht alle Schüler in der Waldschule vertreten", gestand Anke Jargon vom Organisationsteam. Mehrere Klassen waren Donnerstag, am "Klimatag", auf Exkursionstour gegangen. Die Ziele passten jedoch immer zum Motto: Biogas-Anlagen, Klimahaus oder Botanika.
© Copyright Bremer Tageszeitungen AG Ausgabe: Die Norddeutsche Seite: 8 Datum: 17.09.2011