Information für Erziehungsberechtigte zum Konzept "Gegen Gewalt an der Waldschule"

Liebe Eltern!
An deutschen Schulen nimmt die Gewalt zu. Kinder bedrohen ihre Mitschüler und Mitschülerinnen. Sie prügeln, rauben und erpressen. In vielen Schulen ist dies trauriger Schulalltag geworden. Brutale Auswüchse sind zwar an der Waldschule Schwanewede nicht die Regel, aber wir beobachten auch an unserer Schule eine zunehmende Bereitschaft, Gewalt gegen Personen und Sachen auszuüben. An der Waldschule haben wir deshalb bereits im Jahre 1994 gemeinsam mit Schüler- und Elternrat ein Konzept gegen Gewalt eingeführt. Seitdem konnten wir eine deutliche Verringerung zumindest der körperlichen Gewalt unter Schülerinnen und Schülern verzeichnen.

Das heißt aber nicht, dass wir in unserem gemeinsamen Bemühen nachlassen dürfen. Gewalt vollzieht sich nicht nur in spektakulären Ausbrüchen gegen Personen oder Sachen. Dies ist nur die "Spitze des Eisberges", denn in wesentlich größerem Umfang ereignet sich die "alltägliche" Gewalt, die viele gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Drohungen, Erpressungen, Beleidigungen, beißender Spott oder fortwährendes Hänseln können zu seelischen Verletzungen führen, die im Gegensatz zu einer Platzwunde manchmal ein Leben lang nicht heilen. Unverhohlene Drohungen wie "Wenn ich Dich alleine treffe, dann mache ich Dich tot! " oder "Morgen bekomme ich zwei Euro von Dir, sonst... " werden häufiger und scheinbar ohne jegliches Unrechtsbewusstsein ausgestoßen. Versuchen Sie sich die quälenden Gedanken und die Ängste eines Kindes vorzustellen, die es auszustehen hat, wenn es sich am Morgen auf den Schulweg begibt. Und wer soll ihm helfen, wenn alle die Augen vor der Realität verschließen? Wir wissen, dass die Ursachen für Gewalt und ungezügelte Aggression vielfältig sind. Oft wird das negative Vorbild der Erwachsenen von Jugendlichen nachgeahmt. Andere erleben täglich Gewalt im Fernsehen oder in noch exzessiverer Form durch Gewaltvideos bereits im Kindesalter (Deutsche "Fernseh-Kinder" müssen ca. 14.000 Tötungsdelikte bis zum 12. Lebensjahr auf dem Bildschirm verarbeiten.) Häufig finden Kinder in ihren Familien keinen Halt mehr. Auch Leistungsdruck und Überforderung können zur Frustration beitragen.

Welche Erklärungsgründe man aber auch immer für Gewaltausbrüche heranziehen kann, eines wollen wir noch einmal ganz deutlich machen: Gewalttätiges Verhalten wird an der Waldschule nicht geduldet!! Hier gelten keine Ausreden oder Beschönigungen. Eltern, Lehrer, Lehrerinnen, Schülerinnen und Schüler dürfen nicht untätig zusehen, sondern müssen der Gewalt Einhalt gebieten. Niemand hat das Recht, auf verbale Angriffe mit körperlicher Gewalt zu reagieren. Auch jede Form des Andersseins wie z.B. Geschlecht, Kleidung, Religions- und Staatszugehörigkeit ist keine Rechtfertigung um Gewalt auszuüben.

Gewalt darf sich nie lohnen.

Auch das beste Konzept kann jedoch ohne Ihre Hilfe nicht erfolgreich sein.

Wir sprechen im Unterricht über das Thema Gewalt. Dabei wenden wir uns an die Vernunft und die Einsicht der Schülerinnen und Schüler. Gleichzeitig sorgen wir allerdings konsequent dafür, dass Verstöße gegen die gemeinsam erarbeiteten Regeln auch Folgen haben (s. Informationsblatt für Schülerinnen und Schüler zum Thema "Gewalt in der Schule").

Bitte unterstützen Sie uns bei unserem Bemühen. Informieren Sie sich auf Elternabenden über die Situation in der Klasse ihres Kindes. Helfen Sie mit, nach Lösungswegen zu suchen. Machen Sie Ihrem Kind Mut, Gewalt gegen sich und andere nicht hinzunehmen. Wir sind bereit, gemeinsam mit Ihnen zu handeln.

Ihre Lehrerinnen und Lehrer, Eltern- und Schülervertretung