Ich war beim Bundespräsidenten in Berlin im Schloss Bellevue! Was will man mehr?

Am 19.05.2009 fuhr ich mit zwei meiner Freundinnen, meiner kleinen Schwester, mit Oma und Opa und Mama los, zum Landesentscheid im Landtag von Hannover. Als wir ankamen, bekam ich erstmal einen Sticker an mein T-Shirt geklebt, auf dem mein Name und meine Schule stand. Dann wurde ich in den Plenarsaal geführt, in dem nachher auch vorgelesen werden sollte, und nahm meinen mit einem Namensschildchen versehenen Platz ein.

Um 10:30 Uhr versammelten sich die zehn Bezirkssieger aus Niedersachsen im Plenarsaal des Niedersächsischen Landtages um den Landesentscheid zu bestreiten.

Kurz vor Beginn der Leserunde lief ein bunter Clown zwischen allen Leuten herum und ver­suchte, den Kandidaten und Kandidatinnen die Anspannung und Angst zu nehmen. Schade nur, dass er so gruselig aussah, dass man nur noch mehr Angst bekam. (...)

 Zuerst lasen die Haupt- und Realschüler, dann die Gymnasiasten. Wieder das gleiche Spiel wie sonst auch immer: Erst stellte man sich mit wenigen Worten vor, dann las man den geübten Text (meiner war  Sommerferien, Sommerküsse von Patricia Schröder). Im Anschluss an die erste Leserunde mit den geübten Texten kam Ministerpräsident Christian Wulff und sagte ein paar Worte. Unter anderem auch: „Als Leser seid ihr schon jetzt Gewinner!“

Dann läutete er die zweite Vorleserunde ein. Diesmal gab es keine Pausen zwischen den Lese­runden. Jetzt war der unbekannte Text dran, in diesem Fall war es  Rico, Oscar und das Herzgebreche von Andreas Steinhöfel. In diesem unbekannten und relativ schwierigen Text kamen öfters die Wörter Kiesweg und Pistazieneis zum Einsatz, welche aber als Kissweg und Pistaziieis endeten. Nach einer Pause, in der sich die Jury beriet und wir den Plenarsaal nicht verlassen durften, standen die beiden Gewinner fest. Von den Real- und Hauptschülern durfte Jana Meyer mit zum Finale nach Berlin (…) und von den Gymnasiasten durfte die Vorleserin weiter, die von der Killermöwe vorgelesen hatte. Schade, dachte ich, denn ich hatte von einem gelb geblümten Bademantel im Feriencamp vorgelesen.

  „Die Killermöwe hat uns alle überzeugt“, Strahlen von dem Mädchen neben mir, „und Anneke S. fährt  am 25. Juni nach Berlin ins Schloss Bellevue!“  sagte die Moderatorin Frau von Schwarzkopf.

Was?! Irgendwas musste da doch schief gelaufen sein! Ich heiße zwar Anneke S., doch ich habe nichts von einer Killermöwe vorgelesen! Die Eltern der Vorleserin mit dem Killermöwen-Buch gingen zu Frau von Schwarzkopf und beschwerten sich. Die entschuldigte sich tausendmal, dass sie ihrer Tochter falsche Hoffnung gemacht hatte.

Dann mussten Jana und ich wieder auf den Platz des Landtagspräsidenten, dorthin, wo wir vorher auch zweimal vorgelesen hatten. Die Fotografen, die anwesend waren, machten Fotos, und wir bekamen einen Büchergutschein über 20€ und die Einladung, ins Schloss Bellevue zu kommen und dort vor dem Bundespräsidenten Horst Köhler beim Finale des 50. Vorlesewett­bewerbs vorzulesen. (...)

Viel zu schnell vergingen die Tage und mit ihnen auch die Zeit, in welcher ich mein Buch aussuchen konnte. Am Ende entschied ich mich für  Herzkribbeln im Gepäck von Sabine Both. Ich bekam außerdem in der Zwischenzeit noch eine persönliche Einladung ins Schloss Bellevue von Horst Köhler zugeschickt.

Als wir am 24. Juni am Standort des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Berlin ankamen, wurde ich nett empfangen und mir wurde ein Button mit meinem Namen und meiner Schule an mein T-Shirt geheftet. Ich verabschiedete mich schnell von meiner kleinen Schwester, Mama und meiner Patentante, die mich begleitet hatten, schaute mir die Kuchenauswahl an und machte Bekanntschaft mit anderen Vorlesern. Als wir dann zu unserer Unterkunft gingen, in der wir die Nacht verbringen sollten, hatten sich schon `Leser-Cliquen´ gebildet. Die Zimmer wurden verteilt und dann ging es los zur Rallye durch Berlin. Danach gingen wir alle zusammen Essen. Der Börsenverein bezahlte alles! Abends gingen die Betreuer noch einmal in alle Zimmer, hörten sich die geübten Texte an und stoppten die Zeit. Danach war endlich alles perfekt und wir konnten (ruhig) ins Bett gehen und uns auf den morgigen Tag freuen. Wir waren gut vorbereitet.

Am nächsten Morgen gingen wir mit unserem Gepäck zum Frühstück und danach zusammen mit einem Fernsehteam, welches uns begleitete, in einen Bus. Damit fuhren wir ins Schloss Bellevue zum Bundespräsidenten.

Als wir endlich ankamen, wartete auf uns eine lange Kontrolle. Damit wurde festgestellt, dass wir nichts Gefährliches in den Taschen hatten (...). Auf dem Weg ins Schloss Bellevue stieg die Nervosität, denn die Presse wartete nur darauf, Interviews, Fotos und Aufnahmen von uns zu bekommen. Brav stellten sich alle wie beim Klassenfoto auf und lächelten freundlich – da betraten Horst Köhler und seine Frau Eva Luise Köhler den Saal. Plötzlich war außer dem Klacken der Auslöser der Kameras kein Mucks mehr zu hören. Alle waren wie gebannt vom Anblick des Bundespräsidenten. Er begrüßte uns freundlich und stellte sich mit seiner Frau zwischen uns und lächelte ebenfalls freundlich für die Presse. Nach einer, wie uns schien, unendlich langen Zeit, betraten alle Leser endlich den Vorlesesaal, in dem ebenfalls überall Kameras waren. Alle Plätze waren belegt und vorne stand ein Podest, auf dem ein Thron mit rotem Samt überzogen war, drum herum vier kleine, ebenfalls mit Samt überzogene Hocker und hinter dem Thron waren Bücherstapel aus Pappe gebastelt, die eine nette Kulisse abgaben.

Nachdem der Moderator, Jörgpeter Ahlers, Leiter des NDR-Kinderradios in Hamburg, und Horst Köhler ein paar Worte gesagt hatten, ging es auch schon los: Das Finale das 50. Vorlesewettbewerbs, organisiert durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels!

Doch diesmal war es anders als sonst: Zuerst lasen die Finalteilnehmer der Gruppe A (Haupt- und Realschüler) ihren geübten Text. Danach die Finalteilnehmer der Gruppe B (Gymnasiasten). Ungeübte Texte müssten diesmal nicht gelesen werden. Sonst hätte es zu lange gedauert, schließlich gab es insgesamt aus allen Bundesländern zusammen 30 Finalisten!  (...)

Die Jurymitglieder- das waren Rufus Beck, Oliver Rohrbeck, Silke Kraushaar, Jürgen Banscherus und die Gewinner des letzten Jahres Justina Kämpf und Kai Gies - lasen die Namen auf der Urkunde vor. Wenn der eigene Name aufgerufen wurde, ging man auf die Bühne, bekam seine Urkunde, einen Händedruck von dem Überreicher der Urkunde, ein Lob und ebenfalls einen Händedruck vom Bundespräsidenten und zum Schluss ein Buch, eine CD und einen Büchergutschein über 25€ von den Siegern des letzten Jahres. Am Ende blieben von den 30 Vorlesern zwei sitzen, eine Vertreterin der Gruppe A und eine Vertreterin der Gruppe B. Das waren die Siegerinnen Nadja Sühnel und Franziska Kramer. Sie bekamen auch eine Urkunde, das Buch, die CD und die Urkunde, dazu aber noch den Wanderpokal und die Einladung, nächstes Jahr beim Finale mit in der Jury zu sitzen.

Viele Tränen flossen an diesem Tag, doch nicht bei mir. Ich hatte eine wundervolle Zeit erlebt, Menschen mit meinem Vorlesen eine Freude bereitet, neue nette Leute kennen gelernt, ebenso wie Bücher. Und zum Schluss: Ich war beim Bundespräsidenten in Berlin im Schloss Bellevue! Was will man mehr?