Literatur über die geistige Entwicklung der Europäer. Das Zeitalter der Literatur in verschiedenen Abbildungen.
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Die Literarische Aufklärung
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Geschichte & Hintergründe

  • Die Geschichtlichen Hintergründe

Der Dreißigjährige Krieg war für die einfachen Menschen ein Desaster. Er führte zu katastrophalen Lebensbedingungen und zog durch den Zerfall in hunderte Einzelstaaten eine wirtschaftliche Misere mit sich.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg orientierte man sich sehr am Beispiel Frankreichs. Deutsche Adelige und Gebildete sprachen jetzt nicht mehr Latein, sondern Französisch. Ihr Vorbild war der „Sonnenkönig“, Ludwig XIV (1638-1715). Da Adel und Stände ihren Einfluss auf die Regierung verloren hatten, konnte er von sich behaupten: „Der Staat bin ich!“. Er regierte ohne Mitsprache von Adel, Geistlichkeit und Bürgern. Man nennt diese Staatsform „Absolutismus“.

Auch in Deutschland sollten große Schlösser die Macht der Landesherren demonstrieren – doch nicht mehr, wie die Burgen im Mittelalter, mit hohen Mauern und Türmen. Jetzt zeigte ein Herrscher durch den Besitz kostbarer Kunst, wie reich und mächtig er war. Natürlich waren die Bauten und der Lebensstil sehr teuer, was die Schwächsten der Gesellschaft, die Bauern, am meisten zu spüren bekamen. Immer höhere Abgaben und Steuern wurden ihnen abgefordert. Das sollte man bedenken, wenn man heute Schlösser, Gärten oder Kirchen bewundert.

Kaum ein anderes Zeitalter hat im deutschsprachigen Raum so viele Künstler hervorgebracht wie das 18. und 19. Jahrhundert. Die vielen Adels- und Herrschaftshäuser im „Flickenteppich“ Deutschland konkurrierten miteinander darum, berühmte Künstler an ihre Höfe zu holen. Je nach Neigung wurden Maler, Dichter oder Musiker gefördert.

Dazu kam eine neue geistige Strömung, die Aufklärung.

Mit der Französischen Revolution begann auch in Deutschland ein neues Zeitalter. In Paris hatte sich das Volk erhoben und die Herrschaft des Königs beendet. „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ – die Parole der Revolutionäre läutete das Ende der Adelsherrschaft in Europa und den Anfang der Aufklärung ein.

Die Lasten zwischen den Ständen waren seit dem Mittelalter ungerecht verteilt. Während Adel und Geistlichkeit Privilegien genossen, hatte der dritte Stand einen Großteil der Steuern zu tragen, ohne dafür ein Mitspracherecht bei der Führung des Staates zu haben. Die meisten Bauern waren sogar noch Leibeige. Der dritte Stand machte ca. 95% der Bevölkerung aus und umfasste Bauern, Handwerker, Kaufleute, Künstler und Gelehrte.

Für die französischen Revolutionäre, z.B. Voltaire, Locke, Rousseau und Montesquieu, war diese Ungleichheit der Auslöser ihres Protests. Genau wie in der jungen Demokratie der Vereinigten Staaten von Amerika wollten sie gleiche Rechte für alle.

Diese Forderungen fanden auch in Deutschland viele Anhänger, doch zu einer Revolution kam es nicht. Dafür begann eine intensive Diskussion darüber, wie die Bürger an der Lenkung des Staates beteiligt werden könnten. Vor allem ging es hierbei um zwei Fragen: Wer soll das Land, die Fabriken und die Häuser besitzen? Und: Wer soll regieren - das ganze Volk oder Einzelne? Und wenn das ganze Volk mitregieren darf, haben dann alle gleichviel zu sagen, oder sollen Unterschiede gemacht werden?

Am Ende des 18. Jahrhunderts setzte ein neues Bewusstsein ein. Die Deutschen haben sich lange Zeit nicht als Deutsche gefühlt, sondern als Bayern, Sachsen, Hessen oder Preußen.

Die Sprache der Gebildeten war ohnehin nicht Deutsch gewesen, sondern erst Latein, dann Französisch. Das änderte sich nun. Großen Anteil daran hatte auch die Literatur. Man begeisterte sich nun für die Geschichte und Literatur des Mittelalters und begann Zeugnisse der Volkskultur zu sammeln.

Viele Bürger wünschten, dass alle Deutschen in einem Staat zusammenleben, denn der gemeinsame Kampf gegen Napoleon hatte das Zusammengehörigkeitsgefühl geweckt. Dieser Wunsch nach nationaler Einheit und politischer Beteiligung aller Stände soll die Menschen beschäftigen.

Viele Philosophen und Dichter förderten die Aufklärung, sie verlangten freie Meinungsäußerung, Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz und religiöse Toleranz.

Zwei ganz unterschiedliche Männer ragten aus der Zeit der Dichter heraus, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Ihre Texte zählen bis heute zu den bedeutendsten Werken der deutschen Literatur. Sie waren enge Freunde in Weimar, wo Goethe als Minister eines kleinen Herzogtums auch politisch eine Rolle spielte.

Goethe, der gutes Essen und feine Weine schätzte und der oft unruhige Schiller, der den Drang der Menschen nach mehr Freiheit zu seinem wichtigsten Thema machte arbeiteten zusammen an Zeitschriften, Gedichten und Balladen.

Der große Philosoph der Zeit, Immanuel Kant, lebte verlässlich und berechenbar wie ein Uhrwerk in seiner Heimatstadt Königsberg. Es wird berichtet, dass man wirklich die Uhr danach stellen konnte, wenn Professor Kant zum täglichen Spaziergang aufbrach. Seine Werke allerdings brachten das Geistesleben der Epoche in Bewegung. Kant gab der Aufklärung eine philosophische Grundlage, erklärte die Vernunft zur wichtigsten Richtschnur im Leben des Menschen. Der Mensch müsse so handeln, dass die Leitlinie seines Handelns allgemeines Gesetz werden könnte.

Auch in der Musik gab es herausragende Meister: Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven. Die Leistung dieser Musiker sind umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass Bach in seinen letzen Lebensmonaten blind wurde, Beethoven zunehmend sein Gehör verlor und Mozart völlig verarmt schon mit 35 Jahren starb.

Ludwig der XIV, Frankreichs Sonnenkönig
Johann Wolfgang von Gothe
Johann Sebastian Bach
Friedrich Schiller
Wolfgang Amadeus Mozart
Immanuel Kant
Ludwig van Beethoven
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  • Die Aufklärung in Deutschland

In den großen Handelsstädten begann die Aufklärung damit, dass die Hoffürsten ihre Hofdichter entließen. Die Dichter entwickelten sich zu kulturellen Konkurrenten der Höfe, denn sie wurden selbstständig und bildeten eine Literatur-Gesellschaft. So gab es schon sehr früh in Leipzig ein städtisches Theater, in Hamburg sogar eine städtische Oper. Auch gab es bürgerliche Geldgeber (z.B. die patriotische Gesellschaft), die bei den Autoren literarische Werke in Auftrag gaben. Die Werke mussten nicht mehr den Fürsten und die höfische Gesellschaft unterhalten, sondern das bürgerliche Leben würdigen. Außerdem sollten sie den bürgerlichen Leser aufklären. Dieser Funktionswandel vollzog sich jedoch unter großen Schwierigkeiten, da es zu dieser Zeit noch kein breites Lesepublikum gab, da die meisten Leute nicht lesen und schreiben konnten. Die Lektüren, die sie kannten, beschränkten sich auf die Bibel und andere religiöse Schriften.

  • 1770 konnten 15% der Gesamtbevölkerung lesen.
  • 1800 konnten 25% der Gesamtbevölkerung lesen.
  • Aber nur wenige interessierten sich für Literatur.
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  • Entwicklung der Wochenschriften

Das wichtigste Werkzeug zur Verbreitung aufklärerischen Gedankenguts waren Wochenzeitschriften,
die am Anfang des 18. Jahrhunderts noch geheim und anonym veröffentlicht wurden, sich dann aber bald etablierten.

Die ersten so genannten „Moralischen Wochenschriften“ erschienen bereits 1709 in England. Sie nannten sich >The Tatler< (>Der Schwätzer<), >The Spectator< (>Der Beobachter<), >The Guardian< (>Der Wächter<). Die übersetzte Fassung des <Tatlers> erschien 1713/14 in Deutschland. Bis Ende des 18. Jahrhunderts erschienen in Deutschland allein 511 moralische Wochenschriften, wesentlich mehr als in England.

Vernunft und Freiheit, Erfahrung, wissenschaftliche Erkenntnis und Toleranz sollten den Menschen in Absehbarkeit von Unterdrückung und Armut erlösen. Auch glaubten viele an den Slogan, den wir heute noch kennen, „Wissen ist Macht“ von Francis Bacon. In Frankreich entstand die berühmte Enzyklopädie, die zum Hauptwerk der Aufklärung zählt. Aufklärer mit großem Namen wie Voltaire und Montesquieu schrieben Artikel für dieses Werk.

Im Laufe der Zeit verschmolzen die moralischen Wochenschriften mit den literarisch-wissenschaftlichen Zeitschriften, weil fast alle bedeutenden Schriftsteller des 18. Jahrhunderts zeitweilig für beide arbeiteten.

Die Zeitschriften gaben der sprachlichen Entwicklung eine neue Richtung. Damit viele Menschen die Schriften lesen konnten, musste die Sprache vereinheitlicht werden, die Hochdeutsche Sprache entstand.

1748 erschien von Johann Christoph Gottsched eine „Grundlegung der deutschen Sprachkunst" und 1753 „Der Kern der deutschen Sprachkunst".

Auch veränderte sich der Typus der Autoren, die nicht mehr für einen Monarchen dichteten, sondern für ein breites Publikum. Sie verdienten nun ihr Geld durch Erfolg oder verdienten eben nichts. Jedoch unterrichteten sie z.B. noch als Lehrer, wenn sie durch das Schreiben keinen Erfolg hatten.

Die Zahl der hauptberuflichen Schriftsteller wie Gottsched, Gellert und Lessing stieg sehr schnell an -von 2500 zu Beginn des 18. Jahrhunderts bis 10.000 am Ende.

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  • Verbreitung der Wochenschriften

Durch wissenschaftliche und moralphilosophische Artikel und ihre neue literarische Vermittlungsweise wurde beim Publikum ein großes Interesse für Bildung geweckt. Daran hatten die vielen Lesegesellschaften und Lesezirkel einen großen Anteil.

Lesegesellschaften, die seit dem Ende des 17. Jahrhunderts entstanden, waren aufklärerisch eingestellt, sowohl bei der Auswahl der Schriften, als auch bei der Organisation der Gesellschaften, die demokratisch war. Doch nahmen Lesegesellschaften Mitgliedsbeiträge,

wodurch nur wohlhabende Bürger und Adelige Zutritt hatten. Frauen und Studenten waren ausgeschlossen. Lesezirkel dienten zur Verbilligung der Lektüre von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern.

Kleinbürger und die Unterschicht waren, wenn sie überhaupt lesen konnten, auf Leihbibliotheken angewiesen, die es aber erst am Ende des 18. Jahrhunderts in größerer Zahl gab.

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  • Lesezirkel

Die Aufklärung fand anfangs im privaten Raum statt. Freunde, Gelehrte und Interessierte trafen sich in zu diesem Zwecke gegründeten Zirkeln, um zu diskutieren. Solche Gesellschaften und Lesezirkel waren die Orte, an denen sich neue Ideen entwickelten und weiter getragen wurden. Auch an Akademien und Universitäten wurde diskutiert, jedoch waren die Leute dort strenger, staatlicher Kontrolle unterworfen, nicht so wie in den Zirkeln.

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